Zonenkatalog

Zonenkatalog bezeichnet ein historisches Verzeichnis von Sternpositionen, das durch systematische Beobachtung eines bestimmten Deklinationsstreifens - einer Zone - des Himmels erstellt wurde. Das klassische Beispiel ist der erste Katalog der Astronomischen Gesellschaft (AGK1), der ab 1869 die Sterne der Bonner Durchmusterung (BD) genau vermaß. Die BD selbst war zwischen 1852 und 1862 an der Bonner Sternwarte unter Friedrich Wilhelm Argelander erarbeitet worden und enthält Näherungspositionen von rund 324.000 Sternen nördlich von -2 Grad Deklination.

Das Prinzip des AGK beruhte auf einer Arbeitsteilung: Verschiedene Sternwarten übernahmen jeweils bestimmte Deklinationszonen und beobachteten alle Sterne innerhalb dieser Zone bis zu einer definierten Grenzhelligkeit. Durch das Zusammenführen der einzelnen Zonen entstand ein lückenloser Katalog des Nordhimmels. Für den Südhimmel ergänzten die Cordoba-Durchmusterung (CD) und die Cape Photographic Durchmusterung (CPD) die Bonner Durchmusterung.

Zonenkataloge waren für die Astronomie des 19. und frühen 20. Jahrhunderts unverzichtbare Referenzwerke. Sie dienten der Identifikation von Sternen, der Entdeckung von Eigenbewegungen und der Suche nach Kleinplaneten. Moderne Gegenstücke wie der Tycho-2-Katalog oder der Gaia-Katalog der Europäischen Raumfahrtagentur ESA haben das Zonenkonzept mit Satellitentechnologie auf ein Vielfaches an Präzision und Vollständigkeit gebracht. Der Gaia-Katalog (Data Release 3) enthält Positionen für über 1,8 Milliarden Sterne und Eigenbewegungen für rund 1,47 Milliarden.