Filament
Filament bezeichnet in der Astronomie je nach Kontext zwei verschiedene fadenförmige Strukturen: erstens kühle, dichte Gasbänder in der Sonnenatmosphäre, zweitens und im kosmologischen Sinne die größten bekannten Strukturen im Universum - die filamentartigen Fäden aus Materie, die das kosmische Netz bilden.
In der Sonnenphysik erscheinen Filamente als dunkle, gewundene Strukturen auf der Sonnenscheibe; von der Seite betrachtet am Sonnenrand sind dieselben Strukturen als helle Protuberanzen sichtbar. Sie bestehen aus vergleichsweise kühlem Plasma (rund 10.000 Kelvin) in der heißen Korona und werden durch Magnetfelder in der Schwebe gehalten. Instabile Filamente können eruptiv ausbrechen und koronale Massenauswürfe auslösen.
Im kosmologischen Kontext sind Filamente Fäden aus Dunkler Materie und Baryonen, die Galaxienhaufen wie Perlen an einer Schnur verbinden. Sie bilden zusammen mit Voids und Galaxienmauern das kosmische Netz (Cosmic Web). Die Hercules-Corona-Borealis-Mauer gilt mit mutmaßlich mehreren Milliarden Lichtjahren Ausdehnung als eine der größten bekannten Strukturen, ihre Existenz ist allerdings umstritten. Filamente sind durch Gravitationsinstabilitäten aus kleinsten Dichtefluktuationen im frühen Universum entstanden.