Chandler-Periode
Die Chandler-Periode bezeichnet die Zeitspanne, in der der geografische Nordpol der Erde eine kleine, unregelmäßige Kreisbahn um den mittleren Rotationspol vollzieht. Dieser Vorgang wird als Chandler-Taumel bezeichnet und hat eine mittlere Periode von etwa 433 Tagen - also rund 14 Monate. Benannt ist er nach dem amerikanischen Astronomen Seth Carlo Chandler, der die Bewegung 1891 erstmals genau beschrieb.
Physikalisch erklärt sich der Taumel dadurch, dass die geometrische Rotationsachse der Erde nicht exakt mit ihrer Figurenachse (Hauptträgheitsachse) zusammenfällt. Wegen der Abplattung der Erde taumelt die Rotationsachse dann um diese Achse, ähnlich wie ein angestoßener Kreisel. Für einen starren Körper ergäbe sich eine Periode von rund 305 Tagen; die Elastizität der Erde und die Ozeane verlängern sie auf etwa 433 Tage. Angeregt wird der Taumel vermutlich vor allem durch Massenverlagerungen in Atmosphäre und Ozeanen.
Die Amplitude des Chandler-Taumels beträgt nur etwa 3 bis 6 Meter an der Erdoberfläche. Das entspricht einer Winkelbewegung des Pols von nur rund 0,1 bis 0,2 Bogensekunden. Für die Alltagsorientierung ist die Verschiebung bedeutungslos, für Hochpräzisionsanwendungen wie Satellitenmessungen, Radioastronomie mit sehr langen Basislinien (VLBI) oder GPS-Korrekturen muss sie jedoch berücksichtigt werden.
Überlagert wird die Chandler-Periode von einer weiteren jährlichen Polbewegung, die durch saisonale Massenumverteilungen in Atmosphäre und Ozeanen verursacht wird. Beide Schwingungen zusammen ergeben die beobachtete, spiralförmig wechselnde Polwanderung.