Zenitteleskop
Zenitteleskop bezeichnet ein astronomisches Spezialinstrument, das fest senkrecht nach oben ausgerichtet ist und ausschließlich den Bereich nahe des Zenits beobachtet. Es nutzt die Tatsache, dass Sterne, die durch den Zenit ziehen, die geringste atmosphärische Refraktion erfahren und daher besonders präzise gemessen werden können. Durch die vertikale Ausrichtung werden mechanische Verbiegungen und Lagerungsfehler minimiert.
Das klassische Zenitteleskop besitzt eine um die vertikale Achse drehbare Röhre, empfindliche Libellen und ein Okularmikrometer zur genauen Messung kleiner Abstände vom Zenit. Nach dem Horrebow-Talcott-Verfahren misst man die Differenz der Zenitdistanzen zweier Sterne, die kurz nacheinander nördlich und südlich des Zenits kulminieren; daraus lässt sich die geografische Breite des Standorts sehr genau bestimmen.
Historisch spielten Zenitteleskope eine herausragende Rolle bei der Ableitung präziser Sternpositionen und bei der Messung von Breitenschwankungen als Folge der Polbewegung. Der 1899 gegründete Internationale Breitendienst (ILS) stützte sich jahrzehntelang auf Zenitteleskop-Beobachtungen mehrerer Stationen auf demselben Breitenkreis. Heute haben geodätische Methoden wie VLBI (Very Long Baseline Interferometry) und GPS-basierte Verfahren klassische Zenitteleskope in ihrer Rolle weitgehend abgelöst. Dennoch sind Zenitteleskope ein wichtiges Beispiel für die konsequente instrumentelle Nutzung geometrischer Vorteile in der praktischen Astrometrie.