Sternparallaxe

Sternparallaxe bezeichnet die scheinbare Verschiebung eines nahen Sterns am Himmel gegenüber dem Hintergrund weit entfernter Sterne, wenn die Erde im Laufe eines Jahres verschiedene Positionen auf ihrer Umlaufbahn einnimmt. Dabei nutzt man die Erdbahn als Basislinie: Im Abstand von sechs Monaten befindet sich die Erde auf gegenüberliegenden Seiten der Sonne, womit sich eine Basislinie von 2 Astronomischen Einheiten (rund 300 Millionen km) ergibt.

Der Parallaxenwinkel, definiert als halbe scheinbare Positionsverschiebung, gibt die Entfernung zum Stern direkt an: Ein Stern in einer Entfernung von einem Parsec (pc) zeigt einen Parallaxenwinkel von genau einer Bogensekunde. Ein Parsec entspricht rund 3,26 Lichtjahren oder rund 30,857 Billionen km. Der uns nächste Stern, Proxima Centauri, hat eine Parallaxe von 0,77 Bogensekunden, was einer Entfernung von rund 1,3 Parsec oder 4,24 Lichtjahren entspricht.

Die Messung der trigonometrischen Sternparallaxe ist die direkteste und zuverlässigste Methode zur Entfernungsbestimmung in der Astronomie und bildet die erste Sprosse der “kosmischen Entfernungsleiter”. Die Weltraumastrometriemission Hipparcos (1989-1993) maß Parallaxen von rund 118.000 Sternen; die Nachfolgemission Gaia (2013 bis 2025) lieferte Parallaxen für mehr als eine Milliarde Sterne mit bisher unerreichter Präzision.