Jahresparallaxe
Jahresparallaxe bezeichnet den scheinbaren Positionsversatz eines nahen Sterns am Himmel, der durch den Umlauf der Erde um die Sonne entsteht. Da die Erde im Laufe eines Jahres eine Ellipse um die Sonne durchläuft, ändert sich der Beobachtungsstandpunkt um bis zu zwei astronomische Einheiten (rund 300 Millionen Kilometer). Ein naher Stern scheint dadurch relativ zu weit entfernten Hintergrundsternen eine kleine Ellipse am Himmel zu beschreiben.
Der Parallaxenwinkel p ist definiert als der halbe scheinbare Versatz, gemessen in Bogensekunden. Er entspricht dem Winkel, unter dem der mittlere Erd-Sonne-Abstand vom Stern aus erscheint. Aus diesem Winkel lässt sich die Entfernung direkt berechnen: Eine Parallaxe von genau einer Bogensekunde entspricht einer Entfernung von einem Parsec (rund 3,26 Lichtjahre). Der sonnennächste Stern Proxima Centauri hat eine Parallaxe von etwa 0,77 Bogensekunden und liegt damit rund 4,24 Lichtjahre entfernt.
Vom Boden aus gelingen genaue Messungen nur bis etwa 100 Parsec, der ESA-Satellit Hipparcos erreichte einige hundert Parsec. Die ESA-Raumsonde Gaia hat die trigonometrische Parallaxenmessung auf über eine Milliarde Sterne ausgeweitet und erreicht bei hellen Sternen Genauigkeiten von wenigen Dutzend Mikrobogensekunden.