Interferometrie
Interferometrie bezeichnet eine Messtechnik, bei der zwei oder mehr Teleskope die Signale eines Himmelskörpers gleichzeitig aufzeichnen und die Signale anschließend mathematisch kombiniert werden. Durch die Überlagerung der Wellen entstehen Interferenzmuster, aus denen sich Details über die Quelle ableiten lassen, die ein einzelnes Teleskop niemals auflösen könnte.
Das Auflösungsvermögen eines Teleskops hängt vom Verhältnis der Wellenlänge zur Spiegelgröße ab. Bei der Interferometrie ersetzt der Abstand zwischen den Teleskopen - die sogenannte Basislinie - den Spiegeldurchmesser. Je größer die Basislinie, desto feiner ist das erreichbare Auflösungsvermögen. Bei der Very Long Baseline Interferometry (VLBI) werden Radioteleskope auf verschiedenen Kontinenten kombiniert, sodass Basislinien von Tausenden Kilometern entstehen. Damit lassen sich Winkelauflösungen von einigen Dutzend Mikrobogensekunden erzielen.
Der bekannteste Erfolg der Interferometrie ist das 2019 veröffentlichte erste Bild eines Schwarzen Lochs: Das Event Horizon Telescope verknüpfte acht Radioobservatorien weltweit zu einem virtuellen Teleskop von Erdgröße. So konnte der Schatten des Schwarzen Lochs im Zentrum der Galaxie M87 mit einer Auflösung von etwa 25 Mikrobogensekunden abgebildet werden. Die Interferometrie wird auch im optischen Bereich eingesetzt, etwa am Very Large Telescope Interferometer der ESO zur Messung von Sterndurchmessern und Sternbahnen nahe dem galaktischen Zentrum.