Chromosphäre
Die Chromosphäre bezeichnet die mittlere Schicht der Sonnenatmosphäre, die sich unmittelbar über der sichtbaren Oberfläche, der Photosphäre, befindet und sich bis in eine Höhe von etwa 2.000 bis 3.000 km erstreckt. Ihren Namen erhielt sie von dem charakteristischen rötlichen Leuchten, das bei totalen Sonnenfinsternissen kurz vor und nach der totalen Phase zu sehen ist und von der H-alpha-Linie des Wasserstoffs stammt (Elektronenübergang vom dritten auf das zweite Energieniveau).
In der Chromosphäre herrschen Temperaturen zwischen rund 4.500 und 25.000 Kelvin. Dabei zeigt sich ein physikalisch rätselhaftes Phänomen: Anders als intuitiv zu erwarten wäre, steigt die Temperatur mit zunehmender Entfernung von der Sonnenoberfläche an statt zu sinken. Dieses Heizproblem der äußeren Sonnenatmosphäre ist bis heute nicht vollständig geklärt; diskutiert werden Alfvén-Wellen und magnetische Rekonnexion als mögliche Energiequellen.
Die Chromosphäre ist geprägt von dynamischen Strukturen: Spikulen sind kurze, faserartige Gasstrahlen, die ständig aufsteigen und wieder absinken. Flares, also solare Strahlungsausbrüche, werden vor allem durch magnetische Rekonnexion in der Korona ausgelöst, heizen aber die Chromosphäre stark auf und sind dort besonders im H-alpha-Licht sichtbar. Im Licht der H-alpha-Linie bei 656 nm lässt sich die Chromosphäre auch außerhalb von Finsternissen mit Spezialfiltern beobachten.